Karate-GemeinschaftBergisch Gladbach e.V.

Dojo

2006 – Zweite Trainingsfahrt nach Sargenroth

14.08.2013

(Dieser Artikel stammt noch von unserer alten Homepage, daher sind die Bilder leider nicht vergrößerbar.)

 

Sagenumwobenes Sargenroth
Oder: Aus dem Tagebuch einer Karate-Anfängerin

(von Franziska)

 

Liebes Tagebuch,

ich muss Dir unbedingt was erzählen. Ich war Anfang Oktober 2006 vier Tage mit der Karate-Gemeinschaft in Sargenroth auf Trainingsfahrt. Zuerst habe ich mich gar nicht getraut mitzufahren. Denn ich bin erst wenige Monate Mitglied und kannte kaum jemanden. Aber andere Karate-Schüler schwärmten davon, wie lustig die letzte Fahrt gewesen sei. Die Trainer versprachen: „Ihr habt DIE Chance, außergewöhnliche Übungen auszuprobieren, für die es in den normalen Trainingsstunden kaum Zeit und Gelegenheit gibt.“ Dann bin ich doch sehr neugierig geworden und war eine der Ersten auf der Teilnehmerliste.

 

Die Monate von Juli bis Oktober vergingen sehr schnell: der 1. Oktober stand vor der Tür. Alle Sonntag-Faulpelze waren an diesem Tag besonders gefordert. Denn die Abfahrtszeit nach Sargenroth war bereits morgens um neun Uhr vor dem Dojo. Busfahrer und Trainer riefen „Einsteigen!“ und fast 40 verschlafene Karate-Schüler suchten sich ihren Platz im Bus. Christoph hatte übrigens an diesem Tag Geburtstag. Wir sangen kräftig „Zum Geburtstag viel Glück!“ und nun war auch der letzte müde Krieger wach.

 

Zwei Stunden später kamen wir in der Jugendherberge von Sargenroth an. Sie ist umgeben von grünen Wiesen und gelb schillernden Rapsfeldern. Sargenroth ist riesig. Sargenroth ist so riesig, dass sogar die Einwohner selbst sagen: „Das Dorf nimmt soviel Platz weg, dass der Tante-Emma-Laden nur noch in die Garage passt.“ (Wirklich wahr!) In dieser Hunsrück-Großstadt haben wir übernachtet.

 

Von der Jugendherberge…

…zur Trainingshalle im Ort

 

Das sehr leckere Essen mussten wir uns natürlich verdienen, mit Karate und Theater. Der Plan sah vor, dass wir alle zusammen zweimal täglich trainierten. Außerdem sollten wir bis Dienstag ein Theaterstück vorbereiten. Dazu wurden wir in sechs Gruppen eingeteilt und jede bekam das gleiche Drehbuch. Doch wie wir die Rollen spielen und ausschmücken sollten, das wurde unserer Phantasie überlassen.

 

Alle Karate-Schüler scharrten jetzt ungeduldig mit den Füßen. Was fehlte, war ein Dojo. Als Dojo diente die Turnhalle im 15-Minuten entfernten Dorfkern von Sargenroth. Der Fußmarsch dorthin war im Tageslicht spaßig, in der Dämmerung unheimlich und bei Finsternis bedrohlich. Doch dazu später mehr…nur soviel: Der Weg führt durch Feldgestrüpp, in dem seltsame Wesen hausen, die ich noch nirgendwo sah, nicht mal im Zoo…

 

Das Karate-Programm war bunt. Einige Übungen kannte ich bereits aus dem wöchentlichen Training. In Sargenroth fühlten sie sich aber ganz anders an: Ich wusste, wie ein Gedan Barai geht. Aber ich wusste nicht, wie sich ein Gedan Barai anfühlt, wenn man ihn zehn Minuten lang macht und dabei noch jedes Mal einen Kiai schreit. Ich musste auch zum erstenmal in meinem Leben durch eine enge Menschengasse rennen. Das fiel mir überraschend leicht. Ich bin mir sicher, das liegt an der tollen Gemeinschaft und daran, dass alle sehr nett zueinander sind. Wir haben viele Spiele gespielt, um uns alle besser kennen zu lernen. Zum Beispiel weiß ich endlich, wer gerne Hardrock hört. Und wenn ich mal wieder einen neuen Musiktipp brauche, kann ich fast alle Jungs fragen.

 

Eindrücke vom Training, …

 

Oi-Tsuki im Kiba Dachi – immer wieder schön

Durch die Gasse mit Vollgas an die Pratze!

 

Geschick und Schnelligkeit waren ebenso gefragt….

…wie Durchsetzungsvermögen und Kraft.

 

Partnerübungen

Gassenübung mit Langstöcken

 

Und weil der Weg des Karate Tag und Nacht Gültigkeit hat, gab es Montag abends ein Dunkeltraining bei Kerzenschein. Hier lernte ich, wie man eine brennende Kerze mit einem Oizuki löscht. Natürlich ohne den Docht zu berühren!


Als wir die Turnhalle verließen, war es stockdunkel. Die Dorfstraße war wie leergefegt, richtig unheimlich. Jetzt mussten wir auch noch bei dieser Dunkelheit mitten durch die Felder laufen. Dabei sah ich noch nicht mal meine eigene Hand vor Augen! Außer dem Geräusch unserer Schritte war es verdächtig still um uns herum. Und da: Plötzlich raschelte es im Feld! Eine Meute düsterer, brüllender Gestalten stürmte auf uns zu und griff uns an. Da waren Kleine, Große und Mittlere aber alle mit einem schwarzen, flauschigen Fell. Alles ging jetzt ganz schnell. Der unvergessliche Knüller war der Angriff des rosa Riesenkaninchens. Das war bestimmt zwei Meter in Socken. Das schafft nicht jedes Kaninchen! Hier zeigte sich, wer beim Training aufgepasst hat. Von wegen „Einzelne Techniken auf Kommando!“. Jeder musste sich selbst (oder den anderen) helfen. Und das war nicht einfach. Denn es gibt die Technik, sich im richtigen Augenblick zu wehren. Es gibt aber auch die Technik, im richtigen Augenblick wegzurennen. Für einige Karate-Schüler wurde die Entscheidung zwischen dem richtigen Augenblick und der richtigen Technik zu einem heillosen Kuddelmuddel. Ein Freund sagte später zu mir: „Es ist ein beliebter Trick dieser einzigartigen Geschöpfe, Verwirrung zu stiften. Du siehst also, WANN der richtige Augenblick für WAS ist, musst du schon selbst herausfinden.“

 

„Seltsame Wesen“ oder anders ausgedrückt: Das nächtliche Überfallkommando – begleitet vom rosa Karnickel des Todes…


Der Dienstag war dann endlich der Tag der großen Aufführung. Vormittags führte jede Gruppe ihr selbst gebasteltes Theaterstück vor. Natürlich gab es hier einen weisen König, eine schlagkräftige Prinzessin, eine mehr oder wenig tapfere Leibgarde und einige Schurken. Das Ganze wurde gemischt mit Karate, Ehre, Mut und Phantasie. Und schwuppdiwupp war der Jubel bei allen Zuschauern groß. Ich habe sogar gehört, dass einige Karate-Schüler schon einen Filmvertrag mit Jackie Chan in der Tasche haben.

 

…vom Herbergsleben…

 

Anders erklärt die Hausregeln!

Tischtennis war auch wieder beliebt.

 

Lutz und Reinhard im hauseigenen Bistro.

Pokern war diesmal der Hit bei den Jugendlichen.

 

Die Älteren quatschen noch…

…während die Jüngeren ins Bett gebracht werden. 😉

 

So gar nicht lustig fand ich das Außentraining. Das fand nachmittags statt. Zugegeben, die Trainer hatten uns vorher gewarnt: „Wir machen zuerst in der Jugendherberge ein sehr hartes Aufwärmtraining. Danach entscheidet jeder für sich selbst, ob er weitermachen will. Vergesst aber nicht: Das anschließende Außenprogramm wird noch VIEL härter. Es ist keine Schande, wenn ihr nach dem Aufwärmtraining aufhört.“ Im Dojo fand zur selben Zeit noch ein Kata-Training und Stocktraining statt. „Ich mache Außentraining. Mir kann es ja nicht hart genug sein“, dachte ich übermütig.

 

Da ich das Aufwärmtraining gerade so überstanden hatte, trabte ich mit der Gruppe ins Freie. Puh, ich war jetzt schon außer Puste. Als wir über Schotter liefen, schimpften meine Füße. Liegestützen. 10? 100? Sie fühlten sich wie 1000 an. Meine Arme und Füße verbündeten sich und schrieen „Aufhören!“. Eine Trainerstimme verdrängte das Gebrüll: „Macht euren Kopf frei. Es sind eure Gedanken, die euch am Weitermachen hindern.“ So ging es weiter auf eine Wiese, wo bei gutem Wetter Kühe und Schafe futtern und verdauen. Aber es hatte zuvor kräftig geregnet. Kein Vieh war zu sehen, dafür ein paar Tiergrüße zu spüren. Grundübungen, Partnerübungen, Kata-Übungen, Kiai, alles folgte im schnellen Wechsel. Alles in rasanter Geschwindigkeit, denn wir durften nicht anfangen zu frieren. Dann durchkämmten wir ein nahe gelegenes Waldstück. Das erstreckt sich über einen Abhang und so mussten wir bergauf und bergab laufen. Zwischen Bäumen und Sträuchern auf glitschigem Herbstblätterboden durchstreiften wir den Wald mit freien Kata-Übungen. Zwischendurch durften wir zur Entspannung dicke Baumstämme umarmen. Wir holten uns auf diese Weise bei den Waldriesen eine extra Portion Energie ab. War das eine Wohltat! Wir schmierten den Waldboden in unsere Gesichter. Das roch wunderbar und wirkte wie eine Streicheleinheit. Wie stolze Indianer kehrten wir mit dieser Gesichtsbemalung zur Jugendherberge zurück. Völlig erschöpft, aber sehr glücklich.

 

Kaputt und schmutzig – aber glücklich: Die Truppe nach dem Wald- und Wiesentraining.

 

Abends haben wir zum Abschluss die vielen Abenteuer und neuen Karate-Erlebnisse ausgelassen gefeiert. Bei Karaoke suchten wir zwischen Cola, Fanta, Chips und Flips den Popstar. Wir haben ihn nicht gefunden. Es gab entschieden zu viele begabte Kandidaten.

 

Als wir für den Heimweg wieder in den Bus einstiegen, hatte ich das Gefühl, dass einige Teilnehmer fehlten. Ich hatte mich aber getäuscht: Da ich nun alle Teilnehmer besser kennen gelernt habe, wirkte die Gruppe automatisch viel kleiner. Ich hoffe, dass beim nächsten Ausflug auch alle Trainingsfahrt-Neulinge mit dabei sind.

 

…und von der Heimreise

 

Alle ein wenig platt…

…aber zufrieden.

 

Eins ist aber jetzt schon klar…

…es wird eine Fortsetzung geben!

 

Tja, echt schade liebes Tagebuch, dass Du nicht gerne barfuß läufst, sonst könntest Du das nächste Mal auch mitkommen.

Wusstest du schon?

In der Karate-Gemeinschaft gibt es keine Gürtelprüfungen und keine öffentlichen Wettkämpfe.

Lehrer und Trainer-Assistenten der Karate-Gemeinschaft verpflichten sich nicht zu rauchen und auch sonst maßvoll durchs Leben zu gehen.

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