Karate-GemeinschaftBergisch Gladbach e.V.

Dojo

2017 – Gasshuku (24 Stunden-Lehrgang)

19.08.2017

von Helena Köhler (17)

 

Am 2. Juni 2017 um 19 Uhr war es soweit: Uns erwartete ein 24-Stunden-Training ohne Schlaf. Es ist keine Lüge, wenn ich behaupte, dass dies die härteste, anstrengendste und auch lehrreichste Trainingseinheit war, an der ich bisher teilgenommen habe. Es gab Momente der Verzweiflung, wenn mir bewusst wurde, dass erst ein Bruchteil der 24 Stunden vergangen war. Momente, in denen ich die Bewegungen einfach geschehen ließ und gar nicht weiter versuchte über die Zeit nachzudenken. Und dann wieder Momente voller Elan und Begeisterung, wenn ich jede Technik spürte und mit Kime durchgeführt habe. Interessant an diesen Phasen war, dass sich natürlich nicht alle gleichzeitig in derselben befanden. Mal war ich selbst voller Kraft und sah neben mir jemanden, der vollkommen erschöpft war und mal war ich selbst müde und kraftlos und konnte mich durch jemanden, der vor Elan strotzte, wieder motivieren weiterzumachen.

 

Die 26 Teilnehmer des Gasshuku mit Lehrer Frank (ganz links)
Unsere Autorin Helena ist in der vordersten Reihe die Zweite von links
 

Alle Uhren im Dojo wurden versteckt, alle Handys weggepackt, und dann ging es los mit einer Grundschulkombination, die alle geistig in höchstem Maße forderte. Diese wurde so lange erweitert, bis wir am Ende 35 Techniken in Dauerschleife liefen; insgesamt weit über 3000 Bewegungen, die über mehrere Stunden lang ausführt wurden.

 


Zum Start: Grundschule

Ein Ablauf von 35 Techniken wurde erlernt …

… und dann wiederholt, wiederholt, wiederholt

Mehr als 3000 ausgeführte Techniken!

 

Die zweite Einheit bestand aus Sanbon-Kumite. (Dreierkombinationen mit Partner), während draußen die Sonne unterging. Dann gab es die perfekte Gelegenheit zu testen, ob unsere Fauststöße schnell genug waren: Kerzen ausschlagen. Was vielleicht einfach klingen mag sorgte bei vielen für Ungeduld und Frustration, denn nicht nur Schnelligkeit, sondern auch die perfekte Drehbewegung sind ausschlaggebend… wahrscheinlich auch etwas Glück.

 


Sanbon Kumite

Partnerübungen

Training bei Dunkelheit …

… im Trainingsgarten

Kerzen mit einem Fauststoß löschen …

… gar nicht so einfach

 

Nachdem alle mehr oder weniger erfolgreich wieder ins Dojo hineingegangen waren begannen wir eine Meditation, zu der die meisten auch Zugang fanden. Andere eher weniger (leise Schnarchgeräusche aus der Ecke ;)). Im Karate wird nicht nur der Körper trainiert, sondern auch der Geist muss geschult werden, damit beide in Harmonie funktionieren. Genau wie die Meditation war auch das anschließende Karate zu Musik etwas, das nicht Allen gleich leicht fiel. Für mich persönlich war es eine besondere Erfahrung sich der Musik hinzugeben und die Bewegungen nach Gefühl fließen zu lassen.

 


Startklar zur Meditation

 

Die Schulung des Geistes kam auch beim Training mit den Augenbinden zum Tragen, weil wir uns hierbei nicht mehr auf das zentrale Sinnesorgan “Auge” verlassen konnten und auf andere Sinne zurückgreifen mussten, um den Partner zu spüren und richtig zu handeln. Mit diesem Handicap sollten wir dann auch kleine Pappteller, die von der Decke hingen, mit 200 Fuß- und 300 Handtechniken sauber treffen. Das war eine besonders große Herausforderung, weil meine Beine schon anfingen zu krampfen, und ich mich trotz der Müdigkeit immer wieder motivieren musste, die Konzentration hoch zu halten und auch ehrlich mit mir selbst zu sein, wenn ich den Pappteller nicht ordentlich getroffen hatte.

 


Partnerübungen mit Augenbinde

Erspüren des Angreifers

Pappscheiben treffen …

… ohne sie zu sehen …

… sorgte für manche Frustmomente.

Aber alle landeten schließlich ihre 500 Treffer!

 

Die nächste Einheit und auch ein zentraler Aspekt im Karate: Kata (Form). Die Kata, die wir hier gelernt haben, nennt sich Hirkan und war allen Schülern bisher unbekannt, was ich als sehr schön empfunden habe, da alle bei Null starten mussten, um diese zu lernen. Unbekannt daher, weil sie nicht in offiziellen Kata-Büchern aufgeführt und ein Überrest aus der alten Schule unseres Lehrers Harald ist. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir Hirkan nun auch weiter im Dojo üben, damit die Kata über die Jahre nicht verloren geht.

 


Kata „Hirkan“ bei Nacht

Konzentration trotz Müdigkeit

 

Einer der wohl härtesten Teile des Lehrgangs für mich war dann das Joggen durch das Bergische. Wir starteten um 4 Uhr morgens und liefen und liefen und liefen…mit kleinen Trainingseinheiten dazwischen. Selbst wenn ich nicht mehr konnte und dachte, ich schaffe den Weg nicht mehr, schafften es die Anderen immer wieder, mich zum Weiterlaufen zu bringen und die verstecktesten Kraftreserven zu finden. Als wir dann um 7 Uhr wieder im Dojo ankamen, wurde ordentlich massiert, denn erst die Hälfte der Zeit war geschafft und die Beine und Füße mussten noch 12 Stunden durchhalten.

 


Erledigt auf dem Sonnenberg

Halbe Strecke geschafft!

Es ist immer Zeit für ein bißchen Posing …

… und natürlich weitere Übungen

„Pyramide“ im Kiba Dachi …

… und im Vierfüßlerstand

Next Stop: Mutzbach …

… mit Training im Wald

 

Es folgten zwei Kobudo-Einheiten mit Langstock und Kurzstock, die sowohl Geschicklichkeit als auch Kampf beinhalteten und schließleich eine harte Kraftübung mit Holzklötzen, die nach vorne gehalten werden sollten. Hielten die Arme dieser Belastung nicht mehr stand, „durften“ wir in Seiken (Liegestütz auf Fäusten) wechseln und umgekehrt. Dies war nach dem Joggen die für mich zweite große Hürde, die aber auch durch Willenskraft überwunden wurde. Danach sagte uns unser Lehrer, dass wir die Übung über eine Stunde lang ausgehalten haben. Mir kam es eher wie mehere Stunden vor, aber ich war überrascht, dass unsere Arme so lange stark bleiben konnten.

 


Kobudo mit dem Langstock: …

Ziel- und Geschicklichkeitsübungen, …

… sowie verschiedene Partnerübungen …

… lösten sich am frühen Morgen ab

 

Harte Übung: Ohne Unterbrechung die Holzklötze halten oder im Liegestütz auf Seiken stehen.
Nach über einer Stunde ist da so ziemlich jeder fertig.

 


Charlotte quält sich im Liegestütz …

… und unsere Autorin Helena im Kiba Dachi

 

Am Nachmittag wurden noch Kata in Gruppen und alleine und kurze erfundene Showkämpfe eingeübt und vorgeführt. Ebenfalls etwas, was leicht klingen mag, aber sich allein vor eine Gruppe zu stellen und etwas vorzuführen, ist eine ganz eigene Art von Stärke.

 


Kurze „Showkämpfe“ …

… und Kata wurden eingeübt …

… und dann vorgeführt

Alleine …

… und in der Gruppe

Jede/r kam dran!

 

Und der letzte Akt: Bruchtests. Diese gehören einfach zum Karate dazu und sind eine Überprüfung, ob die Technik, die man jahrelang geübt hat, auch Gehalt hat. Darunter waren klassische Techniken, die in jeder Trainingseinheit trainiert werden und auch kompliziertere Armtechniken und Fußtritte. Damit ein Bruchtest gelingt, braucht es Kraft, Schnelligkeit und vor allem Konzentration, wobei der Moment vor dem Zerschlagen der Bretter in meinen Augen der Härteste ist. Als wäre man in einer Art Rausch, bis der Bruchtest vorbei ist.

 


Bruchtests mit der Hand …

… mit dem Fuß, …

… mit einem Seitwärts-Fußtritt …

… und dem Schienbein. Aktiv …

… und passiv.

Alle erforderten Konzentration, Kraft und Timing.

 

Das Dojo putzen und damit ehren gehört genauso zu einem Training wie Liegestütze und körperliche Anstrengung. Ausklingen ließen wir die harten Stunden dann mit einem erfrischenden Eis, was das Ende der 24 Stunden und die Möglichkeit, nach so langer Zeit ins Bett zu fallen, bedeutete.

 

Es ist geschafft. So sehen Sieger aus!

 

Man hat mich und viele andere gefragt, warum wir uns für diesen Lehrgang  angemeldet haben und unsere Körper dieser Anstrengung aussetzen wollten. Dies war für mich eine Frage, die sowohl sehr leicht als auch sehr schwer zu beantworten war. Viele von uns denken im Alltag und auch im Training ständig, dass wir unsere körperlichen und geistigen Grenzen kennen und nicht zu mehr fähig sind. Sprich, wir geben auf. Dieser Lehrgang allerdings versetzte uns in einen Ausnahmezustand und zeigte, dass wir unser Limit lange nicht erreicht haben. Mir wurde bewusst, dass ich oft dem Unangenehmen ausweiche und mir einrede, ich könnte nicht weitergehen, weil dies natürlich der bequeme und einfache Weg ist. Und als mir der Weg des Aufgebens genommen wurde, erkannte ich meine körperlichen, geistigen und seelischen Möglichkeiten. Für mich ist also die Essenz des Lehrgangs, dass ich als Mensch gewachsen bin und in Zukunft in Frage stellen werde, wenn ich denke ich hätte mein Limit erreicht. Denn eins müssen wir immer bedenken: Viele unserer Grenzen sind selbstgesetzt.

Wusstest du schon?

Das traditionelle Karate lehrt auch Hebel, Würfe und den Kampf am Boden.

Alle Kinder werden verprügelt. Nur nicht Renate, die kann Karate.   :-)

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